Brienz (Transkription Nr. 1595)

Schulort: Brienz
Konfession des Orts: reformiert
Signatur der Quelle: BAR B0 1000/1483, Nr. 1455, fol. 266-268
Standort: Bundesarchiv Bern
Kanton 1799: Oberland
Distrikt 1799: Brienz
Agentschaft 1799:
Kirchgemeinde 1799: Brienz
Ort/Herrschaft 1750: Bern
Kanton 2015: Bern
Gemeinde 2015: Brienz
In dieser Quelle wird folgende Schule erwähnt:
  • Brienz (Niedere Schule, reformiert)

Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes der Schulen , in der Kirchgemeind Brienz. in Beantwortung der von dem Minister der K. u W. zu dem Ende eingeschikten Fragen.
die Kirchgemeind Brienz hat sechs Schulen, neml eine in dem Hauptdorf Brienz, die übrigen in den sogenannten Ausdörferen, neml. Schwanden, Hofstetten, Wyler, Ebligen und Oberried.

I. Lokal-Verhältnisse.
I.1 Name des Ortes, wo die Schule ist.

Name, BRIENZ, das Hauptort in der Kirchgemeind u Distrikt gleiches Namens eine große Dorfschaft von 221. Haushaltungen, Cants Oberland.

I.1.a Ist es ein Stadt, Flecken, Dorf, Weiler, Hof?
I.1.b Ist es eine eigene Gemeinde? Oder zu welcher Gemeinde gehört er?
I.1.c Zu welcher Kirchgemeinde (Agentschaft)?
I.1.d In welchem Distrikt?
I.1.e In welchen Kanton gehörig?
I.2 Entfernung der zum Schulbezirk gehörigen Häuser. In Viertelstunden.

nach der vorgelegten Jdee sind um diese Schule 4. Umkreise zu ziehen
im Umkreis der ersten Viertelstunde liegen 138. Haüser.
im Umkreis der 2ten Viertelstunde liegen 8. Haüser
im Umkreis der 3ten Viertelstunde liegen 9. Haüser
im Umkreis der 4ten Viertelstunde liegen 1 Haüser

I.3 Namen der zum Schulbezirk gehörigen Dörfer, Weiler, Höfe.

Zum Schulbezirk gehoren
a. das Dorf Brienz, wo die weitesten Haüser von dem Schulhaus entfernt syn mögen etwa 1/2 4telstunde. Von da kommen 171. Kinder
b. das dörfli Tracht von 8 Haüsern, etwa 10. Minuten. — 20. Kinder.
c. 3. Haüser, genannt, am Fluhberg, 1/4 Stunde — 5. Kinder. ||[Seite 2] d. vorn im Kienholz im Kreüzweg genannt 4. Haüser, 1 1/2 4telstund. — 3 Kinder.
e. im (eigentlichen) Kienholz 4 Haüser. 1/2 Stunde. — 4 Kinder.
f. im Kienholz — weiters heraus — 4 Haüser. 37 1/2 Minuten. — 3. Kinder.
g. in der Lauimatte, 2. Haüser 3/4telstund. — 4 Kinder.
h. beym Ballenberg 3. Haüßer. 3/4telstund. — 4. Kinder.
i. hinter'm Ballenberg 1. Haus. 1. kleine Stund. — 2. Kinder.

I.3.a Zu jedem wird die Entfernung vom Schulorte, und
I.3.b die Zahl der Schulkinder, die daher kommen, gesetzt.
I.4 Entfernung der benachbarten Schulen auf eine Stunde im Umkreise.
I.4.a Ihre Namen.

die benachbarten Schulen sind alle übrigen Schulen der Gemeinde. Schwanden 1/2 Stunde u Ebligen 1/2 Stunde, Hofstetten 1 Stunde, Wyler u Oberried 5/4 Stunden entfernt.

I.4.b Die Entfernung eines jeden.
II. Unterricht.
II.5 Was wird in der Schule gelehrt?

in der Schule wird getrieben buchstabieren, lesen, den Heidelbergercatechismus, auch Capitel aus dem N. Testament, Psalmen, auswendig lernen, etwas weniges Schreiben, und Psalmen singen.

II.6 Werden die Schulen nur im Winter gehalten? Wie lange?

es wird im Sommer u Winter Schule gehalten. Leztere fängt immer nach dem Brienzer- markt an, (der in die ersten Tage Wintermonats fällt) u währt bis Ostern, u wenn diese früh ist, auch eine oder mehrere Wochen hernach. Jn der Zwischen Zeit ist die Sommerschule, u zwar jeden Samstag abends um 4 Uhr.

II.7 Schulbücher, welche sind eingeführt?

eingeführte Schulbücher sind das Bernerische A, B, C, oder Lesebüchlein, der Heidelbergische Catechismus, das N. Testament, die Lobwaßerischen Psalmen.

II.8 Vorschriften, wie wird es mit diesen gehalten?

da diese Frage nicht genug zeigt, worauf sie hinweiset, kann nicht wohl darauf geantwortet werden

II.9 Wie lange dauert täglich die Schule?

die Schule dauert in den kurzesten Tagen täglich 4. in den längeren vom Hornung an, 5. Stunden in den kürzeren Tagen von 8 bis 9. Uhr. — denn von 11. bis 1. Uhr — u endlich noch von 2 bis 3. Uhr in den längeren von 7 bis 9 Uhr — das übrige gleich.

II.10 Sind die Kinder in Klassen geteilt?

die Kinder sind nicht in Claßen getheilt, sondern gemischt.

III. Personal-Verhältnisse.
III.11 Schullehrer.
III.11.a Wer hat bisher den Schulmeister bestellt? Auf welche Weise?

||[Seite 3] bisher wurden die welche sich um den Schuldienst bewarben, in Gegenwart von Vorgesezter vor dem Pfarrer in ihren Fehigkeiten geprüft, u von demselben dem Amtsman zu Jntrlaken ein Vorschlag zu einem Schulmeister gemacht, welcher auch von ihm angenommen u bestätiget wurde. in der Schule zu Brienz waren von jeher 2. Schulmeister, die gemeinschaftlich u zugleicher Zeit die Schul versehen.
der einte dersellen heißt Casper Flük, von Brienz, 43. Jahr alt, verheirathet, hat 6 Kinder, von denen 2 . noch ganz jung sind. Jst (die Unterbrechung von 2. Jahren abgerechnet) 17. Jahre an dieser Schule gestanden. war vorher schon zu Brienz u seit 24. Jahren Organist an hiesiger Kirche.
der andere Schulmeister heißt Ulrich Eggler von Brienz, 48. Jahr alt, verheyrathet, hat 5 kinder, von denen die 2. jüngsten in einem traurigen u elenden Zustand sind. Er ist seit 6. Jahren bey der Schule, War auch vorher zu Brienz, versieht neben seinem Schuldienst das damit anexierte Lesen in der h. Schrift vondem Anfang des Gottesdinsts und leg' den Communionen.

III.11.b Wie heißt er?
III.11.c Wo ist er her?
III.11.d Wie alt?
III.11.e Hat er Familie? Wie viele Kinder?
III.11.f Wie lang ist er Schullehrer?
III.11.g Wo ist er vorher gewesen? Was hatte er vorher für einen Beruf?
III.11.h Hat er jetzt noch neben dem Lehramte andere Verrichtungen? Welche?
III.12 Schulkinder. Wie viele Kinder besuchen überhaupt die Schule?

Von diesen erscheinen auf einmal 20. — 30 bis 70. Hiebey ist anzumerken, daß, da zu 3. malen des Tags Schul gehalten wird, nicht immer die gleichen Kinder erscheinen, sondern in der ersten Schule oft diese, in der 2ten u 3ten Schule wieder andere Kinder.

III.12.a Im Winter. (Knaben/Mädchen)

von demselben giltet obige Angabe.
Knaben 106
Mädchen 110. überhaupt erscheinen von diesen die meisten, andere wenig, etliche nie.

III.12.b Im Sommer. (Knaben/Mädchen)

im Sommer erscheinen in der Schule auf einmal im Durchschnitt
Knaben 10
Mädchen 15. bis 20.
NB. Erstere sind in dieser Jahreszeit meistens auf den Alpen.

IV. Ökonomische Verhältnisse.
IV.13 Schulfonds (Schulstiftung)

||[Seite 4] Es ist ein allgemeiner Schulsekel für die ganze Kirchgemeind, haltend an angelegte Capitalien kr. 745. wohrscheinlich alles aus Vermächtniße von Gemeinsgenoßen. dieser Sekel besteht ganz für sich.

IV.13.a Ist dergleichen vorhanden?
IV.13.b Wie stark ist er?
IV.13.c Woher fließen seine Einkünfte?
IV.13.d Ist er etwa mit dem Kirchen- oder Armengut vereinigt?
IV.14 Schulgeld. Ist eines eingeführt? Welches?

Schulgeld ist keines eingeführt.

IV.15 Schulhaus.

Schulhaus besizt die dorfschaft seit etwa 40. Jahren kein eigenes, da dieselbe in einem Partikularhaus für 100. kr. das Recht angekauft 1 Stube u 1 kleines Nebengemach zur Haltung der Schule zu benuzen; das Haus hat aber wegen einem seit derlezten Überschwemmung sich hergezogenen Bergfluß einen besonders für kleine kinder bösen Zugang, u die Stuben sind nieder u feucht. Während der Schulzeit werden die Reparazionen derselben von der dorfschaft besorgt.

IV.15.a Dessen Zustand, neu oder baufällig?
IV.15.b Oder ist nur eine Schulstube da? In welchem Gebäude?
IV.15.c Oder erhält der Lehrer, in Ermangelung einer Schulstube Hauszins? Wie viel?
IV.15.d Wer muß für die Schulwohnung sorgen, und selbige im baulichen Stande erhalten?

Schulhaus besizt die dorfschaft seit etwa 40. Jahren kein eigenes, da dieselbe in einem Partikularhaus für 100. kr. das Recht angekauft 1 Stube u 1 kleines Nebengemach zur Haltung der Schule zu benuzen; das Haus hat aber wegen einem seit derlezten Überschwemmung sich hergezogenen Bergfluß einen besonders für kleine kinder bösen Zugang, u die Stuben sind nieder u feucht. Während der Schulzeit werden die Reparazionen derselben von der dorfschaft besorgt.

IV.16 Einkommen des Schullehrers.
IV.16.A An Geld, Getreide, Wein, Holz etc.

Bis vor einem Jahr hatte ein jeder der 2. Schullehrer Besoldung kr. 12. da dann dieselbe von der versammelten Gemeinde auf einmal erhöhet wurde auf kr. 25.

IV.16.B Aus welchen Quellen? aus

a. der allgemeine Schulsekel giebt den Schulmeistern zusamen kr. 12. bz. 9. xr. 1 1/2.
b. der ehmalige Jnterlachische Schulsekel gab den Schulmeistern zusamen kr. 2. bz. 20.
c. das übrige aus zusamengelegten Geldern der steuerbaren Partikularen von Brienz.

IV.16.B.a abgeschaffenen Lehngefällen (Zehnten, Grundzinsen etc.)?
IV.16.B.b Schulgeldern?
IV.16.B.c Stiftungen?
IV.16.B.d Gemeindekassen?
IV.16.B.e Kirchengütern?
IV.16.B.f Zusammengelegten Geldern der Hausväter?
IV.16.B.g Liegenden Gründen?
IV.16.B.h Fonds? Welchen? (Kapitalien)
Bemerkungen
Schlussbemerkungen des Schreibers

Anmerkungen
1. der Jnterlachische Schulsekel ist nun vertheilt u hat die Gmeindt dorfschaft Brienz für ihren Antheil bekommen kr. 130.
2. an der lezten Schule werden jährlich den Kindern ungefehr 8. kr. ausgetheilt.
3. aus dem Spendsekel wurden dem Pfarrer jährlich etliche Kronen zu Ankaufung von Schulbüchern für die armen Kinder bewilliget, u zwar in der ganzen Gemeine.
4. eine von dem Pfarrer entworfene Schulordnung, Claßierung u Souderung der Kinder nach ihrem Alter, u Eintheilung der Lehrstunden, die mit Gutheißen der Vorgesezten war einge-||[Seite 5] führt worden, & mußte, weil viele Elteren da von Gelegenheit nahmen, ihre kinder der Schule zu entziehen, obschon die gute Wirkung sichtbar war, wiedr aufgegeben werden.
5. Von einem Capital von 600. kr. des der lezte Landvogt Steiger zu Jnterlachen für die Schulen des Amts stiftete, u sich erst 10. Jahr lang durch Schlagung aller Zinsen aufs Capital vermehren sollte, nun aber, auf seine Einwilligung hin, vertheilt wurde, bekam die kirchgemeind Brienz für ihren Antheil kr. 145.

Unterschrift

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